Ein stecknadelgroßes Loch in der Zinkrinne kostet im Material keine fünf Euro, der Wasserfleck an der Fassade darunter dagegen schnell ein paar hundert. Zinkrinnen halten als Richtwert 30 bis 40 Jahre, korrodieren aber an drei typischen Stellen früher: an Verbindern, an stehendem Wasser bei zu geringem Gefälle und dort, wo Laub die Schutzschicht dauernd feucht hält.
Welche Reparatur passt, hängt vom Schadenstyp ab, und davon, ob du sicher und gefahrlos drankommst. Alles unten gilt für Rinnen am Erdgeschoss oder an einer niedrigen Garage, die du von einer standsicheren Leiter erreichst.
Schritt für Schritt: Schaden einordnen und beheben
- Rinne reinigen und trocknen. Entferne Laub und Schlamm, spül mit Wasser nach und trockne die Schadstelle gründlich. Jede Reparatur, ob Lot oder Kleber, hält nur auf sauberem, trockenem Zink.
- Schaden klassifizieren. Tippe rund um die undichte Stelle: Splittert das Zink oder ist es papierdünn durchkorrodiert, ist die Stelle nicht mehr punktuell reparabel. Ein klar abgegrenztes Loch oder ein feiner Riss in sonst festem Material lässt sich dagegen meist beheben.
- Kleine Löcher und Risse löten. Die haltbarste Lösung bei Zink ist Weichlöten mit Lötwasser und einem kräftigen Kolben oder einer Lötlampe. Zink, Lötzinn und Stelle vorverzinnen, dann sauber verbinden. Das setzt Übung voraus und offene Flamme am Haus, bei Unsicherheit ist das die Grenze zum Fachbetrieb.
- Alternative ohne Flamme: Reparaturband oder Kaltmetall. Wer nicht löten will, nutzt selbstklebendes Bitumen-Alu-Reparaturband oder ein Zwei-Komponenten-Metallkleber-Set. Großzügig über die Stelle und 3-4 cm in jede Richtung darüber hinaus auftragen und das Reparaturband mit einer Rolle blasenfrei andrücken. Das ist eine solide Übergangslösung, hält aber selten so lange wie eine Lötnaht und sollte bei nächster Gelegenheit durch eine dauerhafte Lösung ersetzt werden, wenn die Stelle weiter belastet wird.
- Undichte Verbinder neu abdichten. Tropft es an der Steckverbindung zweier Rinnensegmente, liegt es meist an gealterter Dichtmasse. Verbinder lösen, alte Masse entfernen, mit dauerelastischem, zinkverträglichem Dichtstoff neu setzen und wieder verklammern.
- Dichtigkeit testen. Gieß nach dem Aushärten einen Eimer Wasser ins obere Rinnenende und beobachte die reparierte Stelle. Tropft nichts mehr und läuft das Wasser sauber zum Fallrohr ab, ist die Reparatur gelungen.

Warum Zink überhaupt korrodiert
Latzel Dämmstoffe Bitumen Aluminium Dichtband 75 mm x 10 m, selbstklebend, für Dach & Dachrinne
Selbstklebendes Alu-Bitumen-Band, dichtet undichte Nähte an Rinne und Anschluss.
* Affiliate-Link · für dich kein Aufpreis
Zink ist eigentlich ein langlebiges Rinnenmaterial, weil es eine schützende Patina-Schicht bildet, die das darunterliegende Metall versiegelt. Probleme entstehen erst, wenn diese Schutzschicht dauerhaft gestört wird. Drei Mechanismen stecken hinter fast jedem Zinkrinnen-Loch.
Der erste ist Dauerfeuchte durch Laub und Schlamm: Liegt nasses organisches Material monatelang auf dem Zink, halten organische Säuren die Oberfläche feucht und sauer, die Patina kann sich nicht stabilisieren und das Metall zehrt langsam ab. Der zweite ist stehendes Wasser an Stellen mit zu wenig Gefälle, genau dort, wo Wasser nicht abläuft, frisst sich die Korrosion ein. Der dritte ist Kontaktkorrosion mit unedleren oder edleren Metallen: Tropft Wasser von einem Kupferblech oder einer Kupferleitung auf das Zink, beschleunigt das galvanische Gefälle die Zersetzung enorm. Deshalb sind Stellen unter Kupfer-Bauteilen klassische Frühversager.
Wer den Mechanismus kennt, repariert klüger: Eine durchkorrodierte Stelle unter einem Kupferrohr zu flicken bringt nichts, solange das Kupfer weiter darauf tropft, dort muss die Tropfquelle umgeleitet werden, sonst ist der Flicken in einem Jahr wieder durch.
Wann Reparatur sinnlos wird
Punktuelle Reparatur lohnt nur, solange das Zink rundum gesund ist. Diese Befunde sprechen für Austausch statt Flicken:

- Flächige Korrosion: Mehrere Stellen sind dünn oder durchgerostet, dann folgt das nächste Loch in Monaten, und Stückwerk kostet am Ende mehr als ein neues Rinnenteil.
- Aufgeplatzte Falze über die Länge: Reißt die Längsnaht der Rinne auf, ist das Material ermüdet.
- Stehendes Wasser trotz freiem Fallrohr: Hat sich die Rinne durchgebogen oder das Gefälle verloren, hilft kein Flicken, die Aufhängung muss neu gerichtet werden.
- Alter jenseits des Richtwerts: Nähert sich die Rinne den 30-40 Jahren, ist Komplettaustausch des betroffenen Stranges wirtschaftlicher als wiederholtes Reparieren.
Schritt für Schritt durch eine Lötreparatur
Wenn du das Löten in Angriff nimmst und die Stelle sicher von der Leiter erreichst, kommt es auf saubere Vorbereitung an, die meisten misslungenen Lötstellen scheitern nicht am Löten selbst, sondern an verschmutztem oder oxidiertem Zink. So läuft eine saubere Naht ab:
- Blankputzen. Die Stelle und einen Rand von gut zwei Zentimetern ringsum mit feinem Schleifvlies oder Stahlwolle metallisch blank schleifen. Jede Oxidschicht verhindert, dass das Lot bindet.
- Mit Lötwasser einstreichen. Das Flussmittel löst die letzten Oxide an und sorgt dafür, dass das Lot fließt statt zu perlen. Nur Lötwasser für Zink verwenden.
- Vorverzinnen. Sowohl die Reparaturstelle als auch ein eventuell aufgelegtes Zink-Flickstück dünn mit Lötzinn überziehen, bevor du sie verbindest. Vorverzinnte Flächen verschmelzen zuverlässig.
- Verbinden. Flickstück auflegen, mit dem Kolben oder der Lötlampe gleichmäßig erwärmen, bis das Lot durchläuft und eine geschlossene, glänzende Naht bildet. Nicht überhitzen, Zink schmilzt bei rund 420 °C selbst.
- Abkühlen und reinigen. Vollständig erkalten lassen, dann Flussmittelreste abwaschen, damit sie nicht nachträglich korrodieren.
Material und Dimension richtig wählen
Wenn ein Rinnenstück komplett getauscht wird, muss die neue Rinne zur Dachfläche passen, eine zu klein dimensionierte Rinne läuft bei Starkregen über und der Schaden verlagert sich an die Fassade. Welche Rinnengröße zu deiner Dachfläche gehört, rechnest du mit dem Dachrinnen-Dimensionierungs-Rechner aus. Und ob ein Schaden eher Verschleiß oder ein versicherungsrelevantes Ereignis ist, ordnest du mit dem Dach-Lebensdauer-Rechner ein, bei sturmbedingten Rinnenabrissen kann nämlich die Wohngebäudeversicherung greifen.

Die drei Reparaturmethoden im Vergleich
Damit du nicht zur falschen Methode greifst, hier die Stärken und Grenzen nebeneinander. Die Wahl hängt davon ab, wie haltbar es sein soll und ob du mit offener Flamme arbeiten willst.
| Methode | Haltbarkeit | Aufwand / Risiko | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Weichlöten | sehr hoch, wie original | Übung nötig, offene Flamme | Loch, Riss in festem Zink |
| Reparaturband (Bitumen-Alu) | mittel, Übergangslösung | gering, keine Flamme | schnelle Abdichtung, Riss |
| Zwei-Komponenten-Metallkleber | mittel bis hoch | gering, Aushärtezeit beachten | kleines Loch, Verbinderfuge |
Wer das Löten beherrscht, bekommt die unsichtbarste und dauerhafteste Lösung, die Lötnaht verhält sich wie das umliegende Zink und altert mit ihm. Reparaturband ist die richtige Wahl, wenn es schnell dicht sein muss, etwa vor einem angekündigten Regentag, und du die endgültige Lösung später in Ruhe planst. Der Metallkleber liegt dazwischen und kommt ohne Flamme aus, was ihn am Holzbau sicherer macht.
Vorbeugen ist billiger als reparieren
Die meisten Zinkrinnen sterben nicht am Material, sondern an mangelnder Pflege. Zwei einfache Gewohnheiten verlängern die Lebensdauer spürbar: Zweimal im Jahr, nach dem Laubfall im Spätherbst und im Frühjahr, Laub und Schlamm entfernen, damit kein dauerhaft feuchtes Polster die Schutzschicht angreift. Und das Fallrohr freihalten, denn eine verstopfte Ablaufstelle staut Wasser in der Rinne, das genau dort durchkorrodiert, wo es steht. Ein Laubschutzgitter über der Rinne reduziert die Reinigungsintervalle, ersetzt sie aber nicht vollständig.
Lohnend ist außerdem der jährliche Sichtcheck nach dem Winter: Frost kann an haarfeinen Vorschäden ansetzen, und wer im Frühjahr eine beginnende Korrosionsstelle entdeckt, behandelt sie mit Reparaturband, bevor daraus ein durchgehendes Loch wird. Ein dünner Anstrich mit einem zinkverträglichen Schutzlack an besonders belasteten Stellen, etwa unter überhängenden Ästen, verlängert die Lebensdauer dort zusätzlich. Wichtig ist nur, dass der Untergrund vor dem Lackieren sauber, trocken und frei von loser Patina ist, sonst blättert die Schicht ab und schließt Feuchte darunter ein.
Kosten realistisch einschätzen
Eine Selbst-Reparatur mit Reparaturband oder Lötmaterial bleibt im niedrigen zweistelligen Bereich. Lässt du einen Dachdecker einen einzelnen Verbinder oder ein kurzes Rinnenstück tauschen, liegst du je nach Anfahrt und Höhe im niedrigen dreistelligen Bereich. Ein kompletter Rinnenstrang am Hauptdach mit Gerüst erreicht schnell den hohen dreistelligen bis vierstelligen Bereich. Genau deshalb lohnt die ehrliche Klassifikation aus Schritt 2: Wer einen großflächig korrodierten Strang flickt, wirft gutes Geld hinterher. Rechne auch den Wert deiner eigenen Zeit mit ein, eine Lötreparatur, die du dreimal nachbessern musst, weil das umliegende Zink ebenfalls am Ende ist, kostet dich an einem Wochenende mehr Nerven als der einmalige saubere Tausch eines kurzen Rinnenstücks durch den Fachbetrieb. Weitere Befunde rund um die Entwässerung findest du in der Dachrinnen-Befundübersicht.
Passendes Tool
Dachrinnen-Dimensionierung
Passt die Nennweite zur Dachfläche, oder ist die Rinne unterdimensioniert?
Tool öffnen →